Das Karlsruher Rezept: "Medikament Bewegung"

In Karlsruhe leben etwa 30.000 Diabetiker. Noch gravierender als bei der gesamten Bevölkerung ist der Bewegungsmangel bei dieser Gruppe.

„Denn nur etwa ein Prozent der Karlsruher Diabetiker sind sportlich beziehungsweise im institutionellen Sport aktiv. Das ist ein erschreckend geringe Zahl“, sagt Dr. Alexander Hemmann. Für den stellvertretenden Landesvorsitzenden des DDB in Baden-Württemberg war dies Anlass, gemeinsam mit den Verantwortlichen der Vereinsinitiative Gesundheitssport (INI), der AOK Mittlerer Oberrhein und dem Hausärzteverband das Projekt „Diabetes in Aktion – Medikament Bewegung“ ins Leben zu rufen. Beim Karlsruher Stadtgeburtstag wurde diese Aktion mit einem Bewegungsprogramm einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Ziel dieser Initiative, für die der Karlsruher Bürgermeister Klaus Stapf die Schirmherrschaft übernommen hat, ist es mehr Menschen mit Diabetes an regelmäßige Bewegung heranzuführen. Dabei ist der Gedanke des Medikaments Bewegung ebenso einfach wie genial. Alle Hausärzte und Schwerpunktpraxen in der Region Karlsruhe wurden mit dem Rezeptblock, einem Flyer mit allen Bewegungsangeboten und einem Plakat ausgestattet. Ebenso wurden Flyer und Plakate an alle Karlsruher Apotheken ausgegeben, die diese an Betroffene weitergeben. Somit können Ärzte das „Medikament Bewegung“ ohne großen Aufwand verordnen. Sie haben einen Rezeptblock, den sie wie jedes andere Rezept ausgefüllt, unterschrieben und abgestempelt wird. „Der Karsrher Hausärzte- und Apothekerverband unterstützen diese Aktion flächendeckend und geben sie auch in den Gremien an ihre Kollegen weiter. Diese konzertierte Aktion ist das eigentlich Neue“, so Alexander Hemmann. Zudem erhalten die Ärzte mit dem Flyer eine Übersicht über alle vor Ort vorhandenen Bewegungsangebote, den sie gemeinsam mit dem Rezept aushändigen. Das heißt, der Diabetiker erhält nicht nur seine Verordnung Bewegung sondern auch Informationen, wo er in einer für ihn geeigneten Bewegungsgruppe aktiv werden kann. „Jetzt muss er nur noch hingehen“, so Alexander Hemmann.

Entstanden ist die Idee des Rezepts Bewegung, das als Pilotprojekt in Karlsruhe läuft und bei Erfolg auf Baden Württemberg ausgeweitet werden soll, bei einem Runden Tisch. Dieser fand im Frühjahr dieses Jahres mit fast 40 hochkarätigen Organisationen und Verbänden statt. Mit dabei waren Meinungsbildner und Multiplikatoren aus allen Bereichen, die sich mit dem Thema Diabetes beschäftigen, unter anderem führende Vertreter der DDG, VDBD, Apotheken, Gesundheitsämter, Hausärzteverband, Vereine, Kliniken, Krankenhäuser, Schwerpunktpraxen, Aktivbüro, Politik, Stadt, Presse. Dies war der Startschuss für eine Initiative, deren Ziel es ist, Diabetiker und ihr Umfeld für das Thema Bewegung zu sensibilisieren. Denn bereits kleine, regelmäßige Bewegungsabläufe im Alltag können sich positiv auf den Blutzuckerwert auswirken. Bei regelmäßiger moderaten, sportlichen Betätigung ist es oft sogar möglich, die Medikamentengabe zu reduzieren oder gar ganz darauf zu verzichten. Das haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Der Rezeptblock „Medikament Bewegung“ ist aber nur ein Baustein. Die Vernetzung, die mit dem Runden Tisch begonnen wurde, soll zukünftig ausgebaut werden. Unter anderem wird sich in  Arbeitskreisen regelmäßig getroffen. Als eine der nächsten Aktionen sind unabhängige Schulungen für Apothekenangestellte über die Wirkung von Bewegung bei Diabetikern sowie Praxispersonal über die Verordnungsmöglichkeiten für Bewegungsangebote für Diabetiker.