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Sie wandern wieder

Diabetiker erobern schon im dritten Jahr den Westweg – diesmal von Basel nach Pforzheim

Sie wandern wieder – diesmal allerdings rückwärts – nein nicht im wahrsten Sinne des Wortes, sondern in umgekehrter Reihenfolge – sprich von Basel nach Pforzheim. Dies  keineswegs, weil der Westweg von Pforzheim nach Basel im dritten Jahr langweilig sein könnte, nein eher, weil sie diese berühmte Strecke einmal aus einer anderen Perspektive betrachten möchten. Vor drei Jahren wurde die Aktion „Diabetiker auf dem Westweg“ von der Arbeitsgemeinschaft „Aktiv gegen Diabetes“ ins Leben gerufen und entwickelte sich schon im Premierenjahr zu einem wahren Erfolgsmodell. Im vergangenen Jahr konnte die Erfolgsgeschichte fortgesetzt werden, auch 2010 war die Nachfrage oft größer als es Plätze für die einzelnen Etappen gab. So wundert es nicht, dass es in diesem Jahr eine weitere Neuauflage gibt – diesmal die Dritte. Wieder stehen über den gesamten Sommer hinweg  acht Etappen auf dem Programm, in deren Verlauf der Westweg komplett erwandert wird. Seit April treffen sich  die „Diabetiker auf dem Westweg“ an einem Wochenende im Monat und absolvieren zwei Touren von je 15 bis 20 Kilometer Länge. Einzige Neuerung ist die Gesamtstrecke, die in diesem Jahr spiegelverkehrt von Basel nach Pforzheim führt.

„Wir wollen möglichst viele Diabetiker animieren, uns auf den Strecken zu begleiten. Denn es ist nachgewiesen, dass Bewegung positive Effekte für den Blutzuckerspiegel von Diabetikern hat“, nennt Dr. Alexander Hemmann, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) als Hintergründe für die Initiative. Forschungsergebnisse, die durch die Erfahrungen der  vergangenen beiden Jahre bestätigt werden. „Einige Wanderer haben ihre Medikamentendosis deutlich reduzieren und haben soviel Spaß am Wandern gefunden, dass sie heute regelmäßige Touren machen und dadurch auch langfristig ihre Dosierung verringern konnten“, so Initiatorin Anne-Marie Schnäbele von der Arbeitsgemeinschaft Aktiv gegen Diabetes.

Ebenso wie der Monatsrhythmus ist bei der dritten Auflage die Betreuung der Diabetiker auf den einzelnen Etappen geblieben. Damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Wanderungen genießen können, werden sie von Diabetes-Fachleuten und mindestens einem Diabetologen begleitet. Diese erstellen mit jedem Teilnehmer zu Beginn der Wanderung den individuellen Medikamentenplan, messen während der Wanderung regelmäßig den Blutzuckerwert und den Blutdruck und erstellen für jeden Wanderer ein Wanderprotokoll. Das sei für die Diabetiker immens wichtig, denn „viele Diabetiker trauen sich solche Touren nicht zu, weil sie Angst haben, dass ihnen etwas passiert“, so Alexander Hemmann.

Doch der medizinische Aspekt ist nur ein Baustein der vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB), der AOK Baden-Württemberg, der Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg, dem Schwarzwaldverein und dem Diabetiker IGEL unterstützten Aktion. Eine mindestens ebenso zentrale Rolle spielt das Gemeinschaftserlebnis. So steht am Ende einer jeden von einem fachkundigen Wanderführer des Schwarzwaldvereins betreuten Etappe ein gemeinsames Abendessen. „Die gemeinsame Aktivität mit Gleichgesinnten, löst bei den meisten Teilnehmern das Gefühl aus, hier wird meine Diabetes als das angesehen, was sie ist, eine Krankheit, auf die ich achten muss, keine Behinderung, die mich total einschränkt“, sagt Alexander Hemmann abschließend.

Weitere Informationen im Internet unter www.aktivgegendiabetes.de.